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Sexualpädagogische Arbeit mit Gruppen

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Die folgenden Methoden-Bausteine behandeln sensible Themen und beschäftigen sich überwiegend mit psychosozialen Kompetenzen wie Selbstbestimmung, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, positivem Selbstwertgefühl sowie Verantwortungsbewusstsein für sich und den Partner, die Partnerin.
Sowohl Ihre Schüler und Schülerinnen als auch Sie selbst sind hier besonders gefordert. Hilfreich ist es deshalb, einige Anregungen zu beachten:

Die eigene Position kennen
Als Lehrkraft nehmen Sie eine wesentliche Rolle ein, denn von Ihnen bewusst wie unbewusst kommunizierte Verhaltensweisen und Ansichten wirken sich auf die sexualpädagogische Arbeit aus. Beschäftigen Sie sich deshalb vorbereitend mit Ihren eigenen Ansichten, Grenzen, Bedenken und möglicherweise auch Voreinstellungen in Bezug auf Sexualität und Ihre Arbeit mit den Schülern und Schülerinnen zu diesem Thema.
Überlegen Sie auch, welche Worte und Begriffe Sie selbst im Unterricht benutzen möchten und welche für Sie in der Lerngruppe in Ordnung sind. Entscheiden Sie bei der Auswahl der Methoden, mit welchen Sie sich am wohlsten fühlen und mit denen Sie dann sicher überzeugend sind.

Die Eltern einbeziehen
Geht es um Sexualerziehung, besteht im schulischen Kontext eine Beratungs- und Informationspflicht den Eltern gegenüber. Dazu zählt auch, Eltern alle Medien und Materialien, die im Unterricht zum Einsatz kommen, vorab z.B. im Rahmen eines Elternabends zugänglich zu machen. Besonders in interkulturellen Gruppen kommt der Elternarbeit eine besondere Aufmerksamkeit zu. Hier ist die persönliche und kultursensible Kommunikation mit den Eltern von großer Bedeutung. In der offenen Jugendarbeit ist es empfehlenswert das Einverständnis der Eltern einzuholen, wenn es um das Thema Sexualität geht.

Inhalte und Methoden überprüfen
Sie kennen Ihre Schüler und Schülerinnen am besten. Überprüfen Sie im Vorfeld, wie die Inhalte und Methoden dem Leistungs- und Entwicklungsstand der jeweiligen Klasse angepasst werden müssen. Die Jugendlichen dort "abzuholen", wo ihre (kulturell bedingten) Bedürfnisse, Stärken und Ressourcen liegen, erleichtert den Zugang zum Thema.
Stellen Sie den Schülern und Schülerinnen zu Beginn einer Einheit das Thema und den vorgesehenen Ablauf vor, damit diese wissen, was sie erwartet. Allerdings lassen sich Themen rund um Sexualität nicht in jeder Einzelheit planen. Reagieren Sie spontan und intuitiv auf die Fragen und Interessen der Schüler und Schülerinnen und beteiligen Sie sie an Planung und Verlauf.

Eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen
Beim Thema Sexualität geht es oft um etwas Privates oder gar Intimes. Eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre ist deshalb besonders wichtig. Achten Sie auf wertfreie Kommentare, unterstützen Sie Schüler und Schülerinnen, denen es schwer fällt über Sexualität zu sprechen und geben Sie jederzeit die Möglichkeit zur Distanzierung und Wahrung der persönlichen Intimsphäre und der privaten Grenzen.
Gewähren Sie, dass die Meinungen Einzelner ohne Abwertung gleichwertig nebeneinander stehen können. Das bedeutet nicht, jede Meinung und Verhaltensweise zu akzeptieren, aber sie als Ausgangspunkt für lebendige Diskussionen zu nutzen. Teilweise reagieren Jugendliche (mit interkulturellem Hintergrund) bei sexualpädagogischen Inhalten mit Verweigerung. Hier gilt es, die Gründe zu analysieren und Formen zu finden, angemessen zu reagieren.

Gemeinsam Regeln vereinbaren
Hilfreich ist es, gemeinsam mit den Schülern und Schülerinnen Gruppenregeln festzulegen, niederzuschreiben und für alle sichtbar im Raum aufzuhängen. Basisregeln sind:

  • Kichern und lachen ist o.k. Aber niemand wird ausgelacht oder beleidigt.
  • Jede/jeder hört zu. Jede/jeder darf ausreden.
  • Jede/jeder darf etwas mitteilen. Keine/keiner muss etwas sagen.
  • Persönliche Dinge bleiben in der Gruppe.

Aktiver Austausch in unterschiedlichen Gruppenformen
Die Arbeit in Kleingruppen (2 bis 4 Personen) ermöglicht es den Schülern und Schülerinnen Inhalte intensiv zu entwickeln. Um offener miteinander sprechen zu können, bilden sich die Gruppen auf freiwilliger Basis und/oder geschlechterhomogen. Sehr intime Fragen können auch in Einzelarbeit bearbeitet werden.
Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt gemeinsam im Plenum. Dort werden nicht die konkreten Gesprächsinhalte aus den Kleingruppen thematisiert, sondern inhaltliche Aspekte vorgestellt und (kontrovers) diskutiert. Die Ergebnisse können hier auch im Hinblick auf geschlechtsspezifische, kulturelle Unterschiede und/oder Gemeinsamkeiten analysiert werden.
Eine zueinander gewandte Sitzform, zum Beispiel ein Stuhlkreis oder die Hufeisenform erleichtert den aktiven Austausch.

Kollegen, Kolleginnen und externe Fachkräfte einbeziehen
Die Zusammenarbeit von zwei oder mehreren Personen bringt in der sexualpädagogischen Arbeit besonders positive Effekte mit sich. Teamteaching berücksichtigt Differenzierungsmöglichkeiten und unterschiedliche Perspektiven, u.a. was geschlechtliche, kulturelle und religiöse Hintergründe anbelangt.
Besonders sensible Inhalte können auch Referenten und Referentinnen, die persönlich nicht in der Schule involviert sind, übernehmen. Für sie sowie für die Schüler und Schülerinnen ist es leichter, miteinander umzugehen.
Auch wenn Sie Tipps benötigen oder sexualpädagogische Fragen haben, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit Fachkräften. Diese erreichen Sie in anerkannten Beratungsstellen.